The Hateful Eight

Originaltitel: The Hateful Eight
Jahr: 2015
Regisseur: Quentin Tarantino

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Jeder Quentin Tarantino Film war bisher ein ganz besonderes Erlebnis. Tarantino wäre nicht Tarantino, wenn er sich für seinen achten Film nicht auch etwas besonders hätte einfallen lassen. Da mittlerweile weltweit alle Kinos ihre Projektoren auf Digital umgestellt haben, drehte Quentin sein neustes Werk auf 65mm-Film im Format Ultra Panavision 70. Bei Panavision wurden deshalb extra für den Film anamorphe Objektive aus dem Archiv geholt, die seit 1966 nicht mehr zum Einsatz kamen. Diese Objektive ergeben ein ultraweites Bild mit dem Seitenverhältnis von 2,75:1. Dieses Bildformat kam in den 50 und 60er Jahren zum Einsatz. Einer der bekanntesten Vertreter ist „Ben Hur“ (1959). Da nur noch sehr wenige Kinos auf diese alte Technik zurückgreifen können, gibt es 2 unterschiedliche Fassungen:

  • Die sogenannte Roadshow-Version ist die analoge 70mm Fassung, hat einen Prolog (3 min 48 sek), ein Zwischenspiel (12 min Pause mit einem weiterlaufenden Schwarzbild) und ist insgesamt drei Stunden und sieben Minuten lang (187 min).
  • Die reguläre Kinofassung geht hingegen „nur“ zwei Stunden und 47 Minuten (167 min) und ist somit 20 Minuten kürzer.

Anbei ein Screenshot aus der 70mm Vorführung von Bill Bennett:

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Wer mehr über die Roadshow-Version und über das 70mm Format erfahren möchte, kann ich folgendes Featurette empfehlen.

Da es in der Schweiz leider kein Kino gibt, wo die Roadshow-Version vorgeführt wird, bezieht sich mein Review auf die reguläre Kinofassung. In Deutschland und Österreich kommt man hingegen in den Genuss der Roadshow-Version. Folgende Kinos sind bisher bekannt:

  • Schauburg, Karlsruhe
  • Zoo Palast, Berlin
  • Savoy, Hamburg
  • Lichtburg, Essen
  • Gartenbaukino, Wien

Evtl. gibt sich im Februar noch ein spontaner Trip nach Karlsruhe oder Wien aus. 🙂

Major Marquis Warren: „Move a little strange, you’re gonna get a bullet. Not a warning, not a question…“
[pause]
Major Marquis Warren:A bullet!“

Da das Drehbuch vor den Dreharbeiten im Internet veröffentlich wurde, wollte Tarantino das Projekt zuerst gar nicht erst realisieren. Die Darsteller waren nach einer Vorlesung des Script so begeistert, dass Sie den Regisseur doch noch überzeugen konnten. Die zwei grössten primären filmischen Einflüsse für „The Hateful Eight“ waren laut eigener Aussage des Regisseurs John Carpenters „The Thing“ (1982) und sein eigenes Filmdebüt „Reservoir Dogs“ (1992).

  • 90% spielt in einer abgelegenen Herberge, also im gleichen Raum. Womit wir die Referenz zu Reservoir Dogs haben.
  • Keiner traut dem anderen und keiner weiss, wer die Wahrheit sagt und wer der Schurke ist. Da haben wir die Referenz zu The Thing.

Man könnte also sagen „The Hateful Eight“ ist ein aufgeblähter Mix aus Reservoir Dogs und The Thing im Western Look. Tarantino lässt sich extrem viel Zeit für die Vorstellung seiner Charaktere und sein achter Streich beginnt verhältnismässig ruhig und sehr zurückhaltend. Zum ersten Mal besteht der Soundtrack bei einem Tarantino-Film aus nicht bereits existenten Stücken, sondern wurde selber durch Ennio Morricone komponiert. Einzige Ausnahme sind ungenützte Scores aus „The Thing“ (1982).

Kein anderer Regisseur hat das Talent vergessene Schauspieler wieder aus der Versenkung zu holen. Mit „Pulp Fiction“ (1994) holte er John Travolta und mit „Kill Bill: Vol. 2“ (2004) David Carradine auf die grosse Bühne zurück. Bei „The Hateful Eight“ ist es Jennifer Jason Leigh, die für Ihre Performance schon mit einer Oscar-Nomination als beste Nebendarstellerin belohnt wurde. Auch der mir bisher nur aus der Fernsehserie „The Shield“ bekannte Walton Goggins, hat mir in der Rolle des Sheriffs Chris Mannix sehr gut gefallen. Die bekannten Tarantino-Wiederholungstäter Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Tim Roth und Michael Madsen  sind auch wieder mit von der Partie und geben ein überragendes Schauspielerensemble in Höchstform ab. So sind es vor allem wieder die typischen Tarantino Dialoge und die Schauspieler, die den Film prägen und für Unterhaltung sorgen. Da sich der Regisseur aber mehrheitlich selber kopiert, kommt einem alles zu sehr bekannt vor und „The Hateful Eight“ kann mit der Klasse von Tarantinos Vorgängerfilme nicht ganz mithalten. Auch die Dialoge waren schon mal kultiger und dem Drehbuch fehlen die Überraschungseffekte. Klar ist dies kritisieren auf hohen Niveau. „The Hateful Eight“ ist ein guter Film, allerdings kann man von Tarantino mehr erwarten.

7/10

3 Gedanken zu “The Hateful Eight

    • Hi, also ich fand den Film ja schon gut. Werde mir sicher die BluRay kaufen und würde auch noch gerne die 70mm Version sehen! Bei jedem anderen Regiesseur wäre ich sogar begeistert. Bei Tarantino sind die Erwartungen halt höher.

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