Nightcrawler

Originaltitel: Nightcrawler
Jahr: 2014
Regie: Dan Gilroy

Nightcrawler

What if my problem wasn’t that I don’t understand people but that I don’t like them?

Louis „Lou“ Bloom (Jake Gyllenhaal) ist ein Kleinkrimineller und hält sich durch diverse Diebstähle über Wasser. Lou ist bemüht einen anständigen Job zu finden, keiner will ihn jedoch einstellen. Eines Nachts wird er Zeuge von einem Autounfall und beobachtet dabei ein Kamerateam, welches die Ergebnisse auf Video dokumentiert. Beeindruckt von dieser Idee, beschliesst Lou sich selbstständig zu machen und auch solche Videos aufzunehmen, indem er den Polizeifunk abhört und anschliessend das Filmmaterial an einen Nachrichtensender verkauft.

Nightcrawler wird aktuell von diversen Cineasten mit Lobeshymen überschüttet. Ich kann die Euphorie nur teilweise verstehen und teilen. Das Regiedebüt von Dan Gilroy ist eine Kreuzung aus Michael Manns „Collateral“ und Martin Scorseses „Taxi Driver“. Jake Gyllenhaal verkörpert den skrupellosen Soziophaten auf eine beeindruckende und beängstigende Weise. Zumindest eine Oscarnomination wird es dafür geben müssen. Er ist penetrant, ehrgeizig, kompromisslos, eiskalt, menschenverachtend, unmoralisch, zeigt kein Mitleid, keine Gefühle, manipuliert und geht für den Erfolg über Leichen. Nightcrawler ist eine zynische Mediensatire und ein kritischen Beitrag zu unserer Gesellschaft. Anstatt unseren Mitmenschen helfend zur Seite zu stehen, schauen wir weg oder werden zu Schaulustigen. Auch die amerikanische Nachrichtenbranche wird sehr rücksichtslos dargestellt. Im Morgenprogramm werden ausschliesslich Dramen gezeigt, im Sinne von „je mehr Blut desto besser“ um die Quoten zu steigern. Politische oder wirtschaftliche Themen sucht man vergebens. Die Message des Films ist eindeutig und perfekt inszeniert. Auch visuell können die imposanten Nachtaufnahmen von Los Angeles überzeugen. Einzig in Punkto Handlungs und Spannungkurven, habe ich mir mehr erhofft. Nach der Sichtung der Trailers, hatte ich eine bestimmmte Vorstellung wie der Film aussehen und wie die Geschichte erzählt werden könnte. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen hat sich der Film dann genau so entwickelt wie ich es mir vorgestellt hatte. Vermisst habe ich die nicht thematisierte Vergangenheit von Lou. Der Zuschaur erhält keinen Einblick wieso der Charakter so psychisch gestört ist. Dadruch hält der Regisseur den Zuschauer zu sehr auf Distanz. Für einen guten Thriller fehlen mir da Überraschungen und Wendungen. Die Spannung entwickelt sich erst zum Schluss und genau zu diesem Zeitpunkt endet dann leider auch schon der Film.

Meine Erwartungen konnten nicht erfüllt werden. Das von vielen angekündigte Meisterwerk ist Nightcrawler leider nicht. Trotz der Mängel sehenswert und alleine wegen der Performance von Jake Gyllenhaal muss man sich den Film anschauen. Ganz grosses Schauspielerkino, welches zum nachdenken anregt.

7/10

 

 

3 Gedanken zu “Nightcrawler

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