Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

Originaltitel: Birdman
Jahr: 2014
Regie: Alejandro González Iñárritu

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„People, they love blood. They love action. Not this talky, depressing, philosophical bullshit.“

Da ist er nur also. Der neue Film von Alejandro González Iñárritu. Zum Glück muss ich den Namen nicht abtippen oder gar aussprechen und kann einfach und bequem die Copy&Paste Funktion benutzen. 😉 Auf diesen Regisseur wurde ich schon im Jahre 2000 mit seinem Regiedebüt „Amores perros“ und 3 Jahre später mit „21 Grams“ aufmerksam. Beides sind sehr anspruchsvolle Filme, welche zum Nachdenken anregen und unter die Haut gehen. Speziell „21 Grams“ gehört zu meinen Lieblingsfilmen und der Regisseur steht spätestens seit diesem Meisterwerk in meinem Buch der coolen Regisseure.

Birdman wurde im Vorfeld von diversen Kritikern hochgelobt und wurde bei den Academy Awards 9x nominiert und gewann insgesamt 4 Oscars. Oscar Auszeichnung in der Kategorie „Bester Film“, „Beste Regie“, „Beste Kamera“ und „Bestes Originaldrehbuch“. Dazu kommen Nominierungen in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ (Michael Keaton), „Bester Nebendarsteller“ (Edward Norton), „Beste Nebendarstellerin“ (Emma Stone), „Bester Ton“ und „Bester Tonschnitt“. Dementsprechend war die Vorfreude riesig und ich musste mich noch eine Weile gedulden, da das Releasedatum genau auf meine Jamaika Reise fiel. Mittlerweile habe ich Birdman auch gesehen (besser gesagt schon 2x) und ich möchte es am liebsten in diesem Moment nochmal tun. 😉

Birdman ist eine Charakterstudie über einen Schauspieler, der in den 90er weltbekannt für seine Darstellung der Comicverfilmung „Birdman“ war, jedoch aktuell ein Karrieretief durchlebt und bestrebt ist seine Karriere neuaufzunehmen. Er sehnt sich nach Anerkennung und versucht das Rollen­image von „Birdman“ zu entkommen und will wieder als Künstler ernst­ge­nommen werden indem er sich als Bühnenschauspieler, Autor und Regisseur am Broadway versucht. Was macht den Film so einzigartig? So richtig kann man es gar nicht beschreiben oder in Worte fassen. Hier kommt mal ein Versuch. 😉

Punkt 1: Kamera

Das Beeindruckendste und zugleich der heimliche Star des Films ist die Kamera. Ich liebe lange Kamerafahrten ohne Schnitte. Birdman ist eine einzige lange Kamerafahrt und es sind kaum Schnitte zu erkennen. Abgesehen von den Eröffnungsszenen und den Schlussszenen vermittelt der Film den Eindruck, er wäre ohne Schnitt in einer unendlichen Einstellung gedreht worden. Die Kamera fliegt, schwebt und begleitet den Cast überall hin. Man kriegt das Gefühl man ist mittendrin. Ein ähnliches Konzept wurde zwar auch schon bei Alfred Hitchcocks „Rope“ („Cocktail für eine Leiche“) angewendet. Dort wurde jedoch nur in einer Wohnung gedreht und es gab keine Szenenwechseln. In Birdman fährt die Kamera durch Gänge, Bühnen, Umkleideräume und durch den New Yorker Broadway. Den Oscar für die beste Kamera, hat sich Emmanuel Lubezki definitiv verdient.

Punkt 2: Schauspieler

Kommen wir zu einem weiteren Herzstück des Filmes. Die Schauspieler. Loben muss man hier vor allem Michael Keaton als Riggan Thomson (Birdman). Die Rolle ist ihm einfach auf den Leib geschrieben und man erkennt sogar kleine Parallelen zu seinem Leben. Genau wie „Birdman“ ist er in den 90er nach den zwei Tim Burton Batman Verfilmungen aus dem Rampenlicht verschwunden und kehrt jetzt spektakulär, mit der wohl besten Leistung seiner Karriere zurück. Auch Edward Norton hat mit „The Incredible Hulk“ als Bruce Banner und Emma Stone mit The Amazing Spider-Man“ als Gwen Stacy eine Vergangenheit in einer Comicverfilmung. Norton spielt den bekannten, talentierten, exzentrischen, temperamentvollen und unberechenbaren Broadway Stardarsteller Mike Shine. Hervorheben muss man hier die absolut brillant gespielten Wortgefechte welche Norton gegen Keaton führt. Auch Emma Stone glänzt als Ex-Junkie Tochter und lässt Ihr Talent mehrmals aufblitzen. Sehr amüsant fand ich auch mal Zach Galifianakis (bekannt aus Hangover) in einer seriösen Rolle als Manager und Produzent zu sehen. Nicht zu vergessen Naomi Watts, welche die Freundin von Norton spielt und leider nur in wenigen Szenen zu sehen ist.

Punkt 3: Dialoge

Ein weiterer Pluspunkt sind die teils verrückten, anspruchsvollen, intelligenten und witzigen Dialoge, welche gezielt ironische Seitenhiebe nach Hollywood schicken.

Riggan: Just find me an actor. A good actor. Give me Woody Harrelson.

Jake: He’s doing the next Hunger Games.

Riggan: Michael Fassbender?

Jake: He’s doing the prequel to the X-Men prequel.

Riggan: How about Jeremy Renner?

Jake: Who?

Riggan: Jeremy Renner. He was nominated. He was the Hurt Locker guy.

Jake: Oh, okay. He’s an Avenger.

Riggan: F – k, they put him in a cape too?

Punkte 4: Regie

Alejandro González Iñárritu liefert ein technisches Meisterwerk ab und wechselt gekonnt zwischen Fiktion und Realität. Eine genaue Grenze zwischen Fiktion und Realität lässt sich nicht immer feststellen. Dadurch entsteht viel Raum für Interpretationen. Vor allem das Ende hinterlässt sehr viel Interpretationsspielraum, was mir persönlich sehr gefällt.

Einziger Kritikpunkt ist die nicht wirklich vorhandene minimalistische Story und die Message des Film wird teilweise zu oft und oberflächlich mit dem Vorschlaghammer eingehämmert. Das grandiose Schauspielerensemble im Zusammenspiel mit der aussergewöhnlichen Kameraführung, Regie und Dialogen, machen Birdman trotzdem zu einem einmaligen Erlebnis.

9/10

PS: Betreffend dem Ende von Birdman, kann ich euch den Blog von Ma-Go Filmtipps wärmstens empfehlen. Seine Interpretation ist sehr gelungen und nachvollziehbar.

https://magofilmtipps.wordpress.com/2015/01/29/interpretation-das-ende-von-birdman/

 

4 Gedanken zu “Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

  1. Cool danke für’s Verlinken! 🙂
    Den Dialog, den du da zitierst fand ich auch ziemlich amüsant. Allerdings gab es da auch einige total sinnfreie Passagen. Ich denke da an die beiden Damen, die völlig ohne Sinn anfangen rumzuknutschen… Oder die Szenen auf dem Dach mit Edward Norton und Emma Stone 😉

    Gefällt 1 Person

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