Gone Girl (Das perfekte Opfer)

Originaltitel: Gone Girl
Jahr: 2014
Regie: David Fincher

gone-girl

„You two are the most fucked up people I’ve ever met and I deal with fucked up people for a living.“

David Finchers neuer Film Gone Girl basiert auf dem gleichnamigen Roman von Gillian Flynn und erzählt die Geschichte vom Ehepaar Nick (Ben Affleck) und Amy (Rosamund Pike). Am fünften Hochzeitstag verschwindet Amy plötzlich spurlos. Vielmehr werde ich von der Story nicht verraten. Da jedes weiterte Wort, welches Richtung Story geht, euch so richtig den Film kaputt machen würde. Geht am besten in den Film ohne euch irgendwie zu informieren! Diesen Blog könnt Ihr trotzdem weiter lesen, es sind bewusst keine Spoiler enthalten 😉

David Fincher lieferte in der Vergangenheit mit Ausnahme vielleicht von seinem Regiedebüt Alien 3 (1992) nur gute Filme ab. Bei Alien 3 gab es aber scheinbar auch ungenügende Produktionsbedingungen. Er musste zahlreiche Anpassungen von den Produzenten hinnehmen und während den Dreharbeiten wurde gleichzeitig noch am Drehbuch gearbeitet. Zum Glück hat Fincher nach dieser wohl sehr frustrierenden Erfahrung weiter gemacht und  ein paar Jahre später Se7en (1995) und Fight Club (1999) gedreht, welche heute beide als absolute Kultfilme gelten. Gone Girl fängt ruhig und überschaubar an. Die Geschichte wird mit gut eingesetzen Rückblendungen und Off-Kommentaren durch Amy erzählt und nimmt langsam immer mehr Tempo auf. Am Anfang meint man noch es ist ein normaler 0815 Thriller wie man es schon tausend mal gesehen hat. Daraufhin kommt plötzlich aus dem nichts eine 180 Wendung und man sitz verblüfft da und denkt kurze Zeit später, man ist wieder auf der richtigen Spur, aber genau dann kommt wieder ein überraschender Plottwist vom Feinsten, welche den Film in eine völlig andere Richtung leitet. Dadurch wechselt auch der Sympathiebonus von den beiden Hauptcharakteren hin und her und man befindet sich 2.5h in einer „Fincherischen“ Achterbahnfahrt voller Spannung und Dramatik. Verfeinert wird das Ganze teilweise noch mit schwarzem Humor. Die Schauspielerischen Leistungen sind alle auf höchstem Niveau. Vorallem die verschollene Rosamund Pike muss man hier ganz klar hervorheben. Sie spielt Ihre Rolle sehr wandlungsfähig und schon fast unheimlich gut. Ben Affleck glänzt in letzter Zeit sowohl neben der Kamera als Regisseur, wie auch vor der Kamera. Einzig mit seiner neuer Rolle als Batman kann ich mich noch immer nicht so ganz anfreunden. In Gone Girl ist er jedenfalls definitiv eine Idealbesetzung. Positiv erwähnen muss man noch Kim Dickens, welche die Ermittlungen im Vermisstenfall leitet und eine sehr gute Figur abgibt. Überraschend ist die Besetzung von Neil Patrick Harris. Barney Stinson hätte ich jetzt in diesem Film nicht erwartet. Lustigerweise spielt er einen anzugtragenden Geldsack. 🙂 Die beste Performance legt aber der Regisseur ab. Schnitt, Kamera und Musik setzt Fincher wie in jedem seine Filme perfekt ein. Einzig vom Schluss habe ich mir mehr versprochen. Das Ende ist zwar brutal böse, dramatisch und so richtig schön Hollywood untypisch. Wenn man aber den ganzen Film vor lauter Spannung kaum Luft bekommt und fast im Kinosessel versinkt, erwartet man zum Schluss einen noch grösseren „Boom“ Effekt, der leider ausbleibt. Trotzdem hat Fincher einen überragenden Thriller abgeliefert, der in Punkto Spannung, Surprise und Suspense keine Wünsche offen lässt. Der neue und moderne Alfred Hitchcock heisst definitiv David Fincher. Nach Gone Girl sollen auch noch zwei weitere Bücher (Sharp Objects und Dark Places) von Gillian Flynn verfilmt werden. Für Dark Places sind schon Regisseur und Darsteller bekannt. Regie führt Gilles Paquet-Brenner, die Hauptrollen besetzen Chloë Grace Moretz und Charlize Theron.  Die Filme sind für den nächsten Kinobesuch schon jetzt vorgemerkt und die Bücher für den nächsten Strandaufenthalt sowieso 😉

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss. Für frisch verlobte ist der Film weniger geeignet 😉

9/10

Ein Gedanke zu “Gone Girl (Das perfekte Opfer)

  1. Hat dies auf Liebes Tagebuch….. rebloggt und kommentierte:
    Der von Ihnen angesprochene schwarze Humor ist aber auch bitter notwendig, denn die Story ist so abgefahren, das würde man normal konstruiert nicht aushalten, würde vielleicht sagen, was für einen Schwachsinn. Handwerklich, da gebe ich Ihnen völlig recht, grandios gemacht. Und Alien 3 war auch super, diese Kameratunnelfahrten die er dort veranstaltet, haben sich für immer in mein Gedächtnis gebrannt.

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